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Ende März schwebe ich wieder auf Kreta ein. Diesmal habe ich ab Iraklion direkt einen Mietwagen und kann die Strecke nach Agios Nikolaos selbst fahren.

Sioned schwimmt noch und bis auf einen gebrochenen Ruckdämpfer - der, der während des Medicanes letzten Herbst bereits angebrochen war - scheint alles in Ordnung zu sein.

Das kann man von der Erfüllung der Aufträge, die ich bei Schiffsausrüster Christos zurückgelassen hatte, leider nicht sagen. Ende Oktober gab ich ihm drei Feuerlöscher und meine Rettungsinsel zur Wartung, natürlich in der Annahme, dass 5 Monate auch in Griechenland dafür reichen sollten. Hätten sie auch, wenn Christos die Sachen auch weiter gegeben hätte. Das macht er aber erst, als ich am Tag nach meiner Ankunft bei ihm aufschlage und alles abholen will ! Nun ja, auch 5 Wochen sind eigentlich lange genug...

Während meine von Deutschland aus verschickten Pakete (SVB hat diesmal via DHL nur 8 Tage gebraucht, was ein neuer Rekord ist) langsam eintrudeln, stelle ich fest, dass ich eine neues Gummiventil für die Toilettenpumpe brauche. Bestelle das auch bei Christos. Weil mein Vertrauen in ihn aber doch arg nachgelassen hat aber auch parallel beim Eval (griechischer Onlinestore) Händler nebenan. Von diesen Dingern kann man eh nie genug haben.

Das vom Eval Händler ist am nächsten Tag da. Die von Christos.... belassen wir es dabei, dass ich sie vor Abfahrt bekommen habe. Meinen letzten Feuerlöscher habe ich derweil zu einer lolkalen Servicestelle gegeben, die ich entdeckte, als ich Farben kaufen war. Der was auch am nächsten Tag fertig. Die bei Cristos... siehe oben.

K. ist kurz nach mir angekommen und da Sioned sich unten mal wieder frisch machen muss und für drei Tage an Land geht, ziehen wir ins Santa Marina Hotel. Jetzt im April zahlen wir nur 35€ pro Nacht. In der Hochsaison kostet das gleiche Zimmer 150€. Wofür fragen wir uns ?

Udo, das Allroundtalent des Hafens, lässt von seinem Faktotum das Unterwasserschiff wieder neu streichen. Der besonders intensive Geruch des Antifoulings, der zuerst K. auffällt, ist der erste Hinweis, das etwas nicht ganz stimmt, aber ich denke mir erstmal nichts dabei. Frauen haben ja immer so empfindliche Nasen...

Als das Schiff schon wieder im Lift steht und die letzten Flächen gerollt werden sehe ich den Farbeimer. Huch.... wieso steht da Platinum 039 und nicht Emperor 034, welches ich bestellt hatte.

Spontan weiß ich nur, dass das Seajet Platinum nochmal eine Nummer stärker und teurer ist als das Emperor aus dem Vorjahr. Udo kann sich das nicht erklären. Er hat gemäß meiner EMail bestellt. Ok, nun ist es jedenfalls erstmal drauf. Meine Nachforschungen ergeben, dass man Platinum gar nicht direkt ohne Primer auf Emperor streichen darf. Und zum Glück habe ich kein Alu Boot. Aber offenbar gilt das Streichverbot nur für die 2-Komponenten Version des Platinum und nicht für die 1-Komponenten Version, die bei mir verstrichen wurde. Schwein gehabt... Ich zahle nur den Preis für Emperor und habe ein besseres Produkt drauf. Und Udo wird an seiner Wareneingangskontrolle arbeiten.

Während auf Kretas Bergen immer noch Schnee liegt

 erwacht der Strand langsam wieder zum Leben

 

und das Osterfest wird vorbereitet:

Indes, meine Besuche zweimal die Wochen bei Christos wegen meiner Rettungsinsel bleiben vergebens. Nun bin ich Schuld, weil ich unbedingt die vom Hersteller vorgesehenen drei Jahre bescheinigt haben wollte und nicht das eine Jahr, was in Griechenland üblich ist. Daher musste sie zu einer anderen Station und bla bla bla...

Ich nutze die Zeit, um das Dach der Achterkajüte neu zu streichen. Erst in strahlend Weiß. Das war dann aber doch etwas zu blendend und so lasse ich mir im Farbgeschäft einen fast passenden Ton anmischen. Wenn da ein bischen Dreck drauf ist, sieht man den Unterschied zum Aufbau nicht mehr ;)

Fest damit rechnend, unseren Aufenthalt in Agios Nikolaos verlängern zu müssen, schleppt Christos am Ostersamstag (am griechischen) doch noch unseren Insel auf den Steg zum Schiff. Dass sie nun doch nur ein Jahr bekommen hat und dass das Wartungsheft verschwunden ist... Details... Preis und Rechnung hat er auch noch nicht.

Am Dienstag, den 30.4, einen Tag vor unserer Abreise, hat er dann zumindest den Preis und ich kann ihn bezahlen. Wartungsheft und Rechnung sind wohl noch bei der Station und er will sie bis Oktober für mich aufheben. Schauen wir mal.

So können wir am 1. Mai doch die Leinen loswerfen und 20 sm östlich nach Sitia verlegen. In Anbetracht der drei anderen Boote, die dort bereits liegen, zwei davon aus Agios Nikolaos, beschließen wir, bereits früh am nächsten Morgen weiter zu fahren nach Kasos, denn der Platz dort ist begrenzt.

 Die Sorge war allerdings unnötig, denn die drei kommen erst am Folgetag an.

Auf Kasos ist bekanntlich die Zeit stehen geblieben und neben Anafi sicher eine der am wenigsten touristischen Inseln Griechenlands. Trotzdem bekommt man in dem kleinen Ort Fri alles für die Grundversorgung nötige. Nur zum Zahnarzt möchte ich ihr nicht, wenn dieser Röntgenaparat ein Maßstab ist:

Vier Tage wollen wir auf Kasos bleiben, denn ab Samstag ist SE angeagt und der nicht zu knapp. Auf der Nordseite der Betonpier wähnen wir uns daher ruhig und sicher. 36 Stunden Schwell und zwei durchgescheuerte Leinen später wissen wir es besser. Heftige Fallböen drücken das Wasser ins Hafenbecken und sorgen für eine sehr unruhige Nacht. New Dawn am äußersten Ende der Pier hat es am schlimmsten. Wir liegen im Mittelfeld.

Gleichzeitig beglückt uns schon wieder der rote Sahara Sand, den wir schon letztes Jahr zu schätzen gelernt hatten. Man kann immerhin genau sehen, aus welcher Richtung der Wind kam:

Unseren Plan für Gulasch zum Abendessen müssen wir allerdings aufgeben. Das wurd mir vom Metzger für nach Ankunft der Fähre avisiert. Letztere schaut sich die Situation an, dreht wieder ab und dampft weiter nach Sitia. Böen 8-9 waren dem Skipper wohl zu viel. Die wartenden Passagier tragen es mit Fassung und fahren wieder nach Hause. Frei nach dem Graham Gouldman Song singen wir "No meat today - the ferry's gone away..."

Am Montag Morgen ist der Spuk vorbei und ich um 15€ Hafengebühr und zwei Leinenen ärmer. Ach ja - und natürlich Sand wohin man fasst.

Wir nutzen den NW um nach Karpathos überzusetzen, wo wir in der Bucht des Hauptortes ankern. Die beiden Häfen versprechen nämlich bei den hiesigen Fallböen eher eine Wiederholung der beiden Vortage.

 

 

Verglichen mit Kasos ist Karpathos ein Kulturschock mit vielen Touri Läden und einer Hafenpromenade voller Tavernas und Cafes, nur abgemildert durch die frühe Zeit im Jahr.

Ich spritze erstmal das Schiff ab und sorge dafür, dass unter uns wohl eine neue Untiefe entsteht, durch den ganzen Sand.  Alle Stellen erwische ich nicht und der nächste Regen spült sowieso wieder den Dreck, der nun im Rigg hängt, an Deck. Da werden wir noch lange Freude daran haben.

Und hier noch etwas für die Rätselfreunde. Was stimmt an diesem Foto nicht?

 

Hauptkategorie: Törnberichte
Kategorie: 2019
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