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Der Ansturm auf die Hafenbucht von Votsi legt sich glücklicherweise wieder und die nächsten Tage liegen nie mehr als 5 oder 6 Boote hier.
Ich warte hier auf passenden Wind für die Fahrt nach Süden. Der Meltemi hat wieder etwas zugelegt und in der Doro Straße zwischen Euböa und Andros herrschen meist über 30 Knoten Wind. Unter diesen Verhältnissen wird die Passage laut Heikel nicht empfohlen. Das ist zwar fast 100 sm südlich, aber da muß ich durch. Also abwarten.

Das fällt in Votsi auch nicht schwer. Mehrere Schnorchel- und Schwimmgänge pro Tag, alle 2-3 Tage mit dem Dingy nach Patitiri zum Einkaufen - das fällt mit dem RIB und dem 6PS Motor nicht schwer. Mit dem alten Dinghy und seinen 3,5 PS wäre das anstrengender gewesen - und abends in die Taverne.

Mein Kühlschrank hat sich auch wieder beruhigt. Die Isotherm Steuerung hatte mir plötzlich alle möglichen Fehlercodes entgegengeblinkt, die sich teilweise widersprachen. Vermutlich war es letzlich einfach eine Überhitzung des Kompressors. Irgendein Genius hat den nämlich im Maschinenraum eingebaut. Nach einer Nacht mit offener Motorraumklappe zur Abkühlung ist die Steuerung wieder friedlich.

Nach einer Woche in Votsi geht es dann doch weiter. Die knapp 50 sm bis Petries, einem der drei Rastplätze auf der sonst kargen Ostseite von Euböa ziehensich wieder, auch wenn es diesmal - im Gegensatz zum Hinweg - unter Segeln klappt. Zwischendurch gibt es "Shades of Blue":




Irgendwann überholt mich ein deutscher Katamaran und ankert kurz vor mir in der Ormos Petries. Das ist auch die einzige andere Yacht, die ich bis Andros sehe.

Im Vergleich zum April ist selbst hier an diesem verlassenen Flecken deutlich mehr los. An Land gehe ich nicht, denn es ist schon spät und ich will am nächsten Morgen gleich weiter, um den Rest des Meltemi zu nutzen.

Mein Verfolger legt 1-2 Stunden nach mir ab und überholt mich nach knapp 20 sm wieder. Am AIS Plot ist zu sehen, daß der seinen AP wohl im Kompaßmodus betreibt. Bei jeder Änderung der Strömungsverhältnisse - und die ändern sich hier laufend - wird er entsprechend versetzt, während Sioned im Wegpunktmodus eine schnurgerade Linie fährt.

Eigentlich hätte der Wind bei Erreichen der Doro Straße schon deutlich abgeflaut haben sollen. Stattdessen legt er nochmal zu. Dank des mit über 3kn mitlaufenden Stroms ist das Wasser trotz der 20kn Wind von achtern fast glatt und Sioned läuft zu Höchstform auf.

Die Straße ist zwar kein VTG, trotzdem läuft hier einiges an Großschiffahrt durch. Den ersten Frachter passiere ich dicht hinter seinem Heck. Das war dank AIS schon deutlich vorher absehbar. Der zweite Kollisionsgegner beharrt auf einem CPA von 0,0 sm. Das wird mir irgendwann zu dumm und ich rufe ihn über Funk an und teile ihm mit, daß ich meinen Kurs ändere und hinter ihm rumgehe. Macht die Sache für beide einfacher.

Anschließend nimmt der Große den Kat aufs Korn. Da er gerade gesehen hat, daß man auch mit Sportbooten Kursabsprachen treffen kann, ruft der nun seinerseits den Kat an. Leider ist die Kommunikation dort etwas verwirrend: Frachter: "Please cross behind us". Kat: "OK, we will pass before your bow !". Irgendwie geht es dann aber doch gut.

Eigentlich wollte ich ja in Andros in den Hafen von Batsi, auch weil ich weiß, daß es dort Trinkwasser gibt. Aber beim Ansteuern brist es nochmal so richtig auf, so daß ich dann bei 20-25kn Wind doch lieber erst mal den Parkhaken in die Bucht werfe und das Anlegen auf den nächsten Tag verschiebe.

Im Vergleich zu den bewaldeten Sporaden merkt man hier sofort, daß man sich nun in den Kykladen befindet, mit der typischen weißen Würfelhausarchitektur der zentralen Ägäis:





An Land treffe ich dann überraschend vor der Pizzeria die Crew von dem Kat und beim gemeinsamen Essen diskutieren wir unter anderem Watermaker und Funkverkehr mit Frachtern...

Am nächsten Morgen wartet schon der "Autowäscher" vom April auf mich am Kai und hilft beim Anlegen. Sioned ist das einzige Schiff an der Besucherpier. Diesmal wirkt er offizieller mit Käppi und Handfunke. Neben ihm jemand von der Port Police. Scheint also doch alles seine Richtigkeit zu haben. In welche Tasche die 15 Euro wandern, die er mir für drei Tage inklusive Wasser und Strom (den ich nicht brauche) abnimmt, ist aber nach wie vor offen, denn eine Quittung bekomme ich selbstverständlich nicht.

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